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Von Schöpfern, Giftmischern und Gewohnheitstieren

Oft höre ich Sätze: „Die Gemeinde müsste mal …“ oder „Unsere Gemeinde ist so und so“ und nicht selten dreht sich mir dabei der Magen zumindest etwas zur Seite. Denn es gibt nicht „die Gemeinde“, sondern sie besteht eben aus ganz unterschiedlichen Menschen und nicht aus einer einheitlichen Masse.

Allerdings sehe ich dabei doch auch immer mal Menschen, die sich durchaus in typische Gruppen zusammenfassen lassen. Sehr schlicht und damit sehr übersichtlich finde ich dabei den Ansatz Gordon MacDonald. Er sieht in einer durchschnittlichen Gemeinde nur diese 3 Gruppen von Menschen:

  1. Die Generativen
  2. Die Toxischen und
  3. Die Habituellen

In seinem Buch: Ich will meine Gemeinde zurück skizziert er diese einzelnen Gruppen. Ich habe diese Punkte teilweise von ihm übernommen und ergänzt. Manches auch einfach weggelassen. Das hier ist also so ein MacDonald-Piechottka-Ding.

MacDonald beginnt mit den Generativen 

  1. Sie tragen ihre Bestimmung in sich. Sie haben begriffen, warum und wozu es ihre Gemeinde vor Ort gibt, welche Ziele sie erreichen will. Wenn man ihnen die Frage stellt: „Was würde deinem Ort fehlen, wenn es deine Gemeinde nicht mehr geben würde?“, dann könnten sie das beantworten.
  2. Sie denken und arbeiten gerne synergetisch. Sie spüren es, dass sie sich gegenseitig brauchen, sehen sich nicht als Konkurrenten der guten Ideen, sondern denken miteinander und arbeiten füreinander, weil sie wissen, dass sie miteinander ein viel größeres Ziel erreichen können, als nur jeder für sich. Nicht nur deswegen sind sie von Gemeinde begeistert.
  3. Menschen wachsen geistlich in dieser Gruppe. Sie sind eher bereit, Grenzen zu überschreiten und sich stärker von Gott abhängig zu machen. Das fordert ihren Glauben heraus und weckt ihren Wunsch, dazu zu lernen. Sie vertrocknen nicht auf irgendwelchen einzementierten Standpunkten, sondern sie sind ständig in Bewegung.
    Sie sind dabei bereit, voneinander zu lernen und aufeinander zu hören.
  4. Sie haben keine Angst vor Konflikten. Sie lieben sie auch nicht, aber sie möchten das, was die blockiert und angreift, eben nicht unter den Teppich kehren, sondern aus der Welt schaffen. Dadurch wachsen sie enger zusammen.
  5. Andere Menschen werden von ihnen inspiriert. Generative Menschen oder Gruppen sind für andere ansteckend und anziehend.

Mal eine Zwischenbemerkung: Mir ist klar, dass MacDonald hier ein Ideal aufmalt, aber vielleicht sollten wir es eher als Modell verstehen, bei dem viele Details und Ausnahmen einfach einmal weggelassen werden, um die Übersicht zu behalten.

Die zweite Gruppe, die er nennt, das sind die toxischen Menschen oder Gruppen einer Gemeinde. Also die Nöhler und Nörgler, die Dauerbremser. Typisch für sie:

  1. Sie machen ihre Nähe zur Gemeinde davon abhängig, was für sie dabei herausspringt, wenn sie kommen oder wenn sie sich einbringen.
  2. Ihre Grundstimmung liegt irgendwo zwischen negativ und schlecht. Sie haben immer etwas zu kritisieren und sind misstrauisch der Leitung und neuen Ideen gegenüber.
  3. Sie schaffen es oft, dass sich die Gemeinde um sie dreht, statt um ihre eigentlichen Aufträge. Man versucht ständig, es ihnen recht zu machen, sie wieder zu gewinnen und ihre Probleme zu lösen.
  4. Oft zerstören sie Menschen. Hauptamtliche verlieren in ihrer Nähe nach und nach Kraft und Begeisterung. Allein mit ihren Blicken und ihrer Körperhaltung rauben sie jedem halbwegs begeisterten Mitarbeiter jeden Mut und jede Form von Energie. Und manchmal triumphieren sie darüber, dass sie mal wieder diesem „jungen Kerl gezeigt haben, wo der Hammer hängt“.

Zwischen diesen beiden Extremen findet sich die habituelle Gruppe. Man erkennt sie daran:

  1. Sie lieben es, Dinge so zu tun und zu erleben, wie sie es immer schon gewohnt waren. Sie mögen Traditionen und sie wüschen sich keine Veränderungen. Hier fühlen sie sich wohl und sicher.
  2. Oft fehlt ihnen echte Leidenschaft füreinander und für die Gemeinde.  Ihre Beziehung zu Jesus kann dabei sehr stabil sein, weil sie es gewohnt sind, darauf zu achten, aber das Miteinander langweilt sie schon ein wenig und sie könnten nicht eindeutig sagen,warum man sich überhaupt treffen sollte. Auf der anderen Seite haben sie eine große Angst davor, etwas zu verändern, weil das bedeuten könnte, andere zu verlieren oder die eigene Sicherheit aufzugeben. Sie finden sich damit ab, dass ihr Gemeindeleben in einer grauen Suppe vor sich hinköchelt.
  3. Leistungen, die sie erbringen, erfordert oft wenig Mut. Es wird das getan, was innerhalb der eigenen Ressourcen und der eigenen Vorstellungskraft sicher erscheint. Typisch könnte hier der Satz sein: „Es mag sein, dass Jesus uns zu etwas ganz Neuem herausfordert, aber wir können uns das finanziell einfach nicht leisten.
  4. Sie bremsen oft generative Menschen mit sehr geistlich klingenden Argumenten aus.

Ja, vielleicht gibt es noch viel mehr Gruppen (aber findet mal Menschen, die man hier nicht unterbringen kann und fasst sie in Worte).

Für mich stellen sie hier ein paar Fragen, die ich einfach mal unrund so weitergebe:

  1. Wer darf eine Gemeinde leiten? Ist es klug, den Generativen die volle Verantwortung zu übergeben? Warum eigentlich nicht?
  2. Auf wen höre ich, wenn es um neue Wege geht? Wen überhöre ich, wenn kritische Fragen geklärt werden müssen?
  3. Mit wie viel Druck darf ich einer toxische Gruppe oder einzelnen toxischen Menschen den Mund verbieten?

Vielleicht hat ja jemand Lust hier mit- oder weiterzudenken.

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4 Kommentare

  1. Interessante Typologie, aber etwas einfach, weil wir natürlich alle gern zu den Generativen gehören würden. Wer sich selbst als generativ sieht, kann von anderen als toxisch wahrgrenommen werden. Gibt es da ein „richtig“ und „falsch“?
    Ich habe selbst Menschen vor Augen, die viel Leben und Innovation in die Gemeinde bringen, bei denen das aber mit einer Geringschätzung des Bestehenden („Hier ist doch alles tot!“) zusammenhängt. Die sind je nach Blickwinkel generativ oder toxisch.
    Ich fände eine Typologie brauchbarer, die in jeder Gruppe Stärken und Schwächen sieht. So sind Erneuerer häufig Spalter und Bremser häufig Bewahrer. Das scheint mir auch eher von dem Bild mit dem einen Leib und den vielen Gliedern zu entsprechen. Jede Gruppe braucht die anderen, damit es in angemessenem Tempo mit der ganzen Gemeinde in die richtige Richtung voran geht.

  2. Eine nette Kategorisierung und so bestechend einfach und doch grundlegend falsch! Sie ist nicht deswegen falsch, weil es nicht Menschen gäbe, die gemäß den hier geschilderten Charakterisierungen handeln, sondern sie ist deshalb schon falsch, weil sie Menschen in Kategorien vulgo Schubladen einteilt. Man kann Dinge in Schubladen ablegen und nach Kategorien einteilen, Menschen nicht, zumindest nicht jenseits der schöpfungsmäßig vorgegebenen Mann und Frau. Zudem schafft diese Art der Einteilung „Böse“ und „Gute“, will heißen, hier wird gerichtet; und auch dieser Tendenz, sicher nicht gewollt, muss man deutlich widersprechen.
    Das Hilfreiche, das ich diesen Absätzen entnehme, ist, dass ich selbst und somit auch meine Brüder und Schwestern das Potential besitzen, generativ oder habituell oder toxisch zu handeln und gefordert bin, mein Handeln und meine Werte dahingehend zu überprüfen. Und dann bin ich als Bruder oder Schwester auch gefordert, wenn Mitchristen sich nicht dem entsprechend verhalten, der sie in Christus sind und umgekehrt von diesen Geschwistern auch Korrektur für mein Verhalten anzunehmen.
    Entsprechend würde ich die Fragen etwas anders stellen:
    (1) Welche Verantwortung habe ich in Leitungsfunktion für mich und das Ganze (Ac 20,28), damit Christus für viele Menschen durch uns sichtbar wird?
    (2) Was (nicht wen) höre bzw. überhören wir(!), wenn es um Mut nach vorne oder kritische Fragen geht?
    (3) Was bedeutet einander zu ermahnen, zurecht zu weisen, dem Guten nachzujagen und alles zu prüfen und das Gute zu behalten (1Thess 5,12ff) in praxi?

  3. Sehr mutig geschrieben. Ich wünsche mir oft solche offenen Worte in meiner Gemeinde. Zu den Kommentaren: Ich verstehe die Kritik nicht, denn ich habe nicht den Eindruck, dass hier gerichtet wird. Ist es nicht sogar weise, Menschen in Kategorien einzuteilen? Wenn ich das als Sportlehrerin nicht mache, handle ich unverantwortlich. Jemand, der ängstlich ist, muss anders gefördert werden, als jemand, der nicht so ganz weiß, wohin mit seiner Kraft. Und was ist ungeistlich daran, ein toxisches Verhalten zu verurteilen und sich über einen generativen Lebensstil zu freuen? Wichtig ist doch, dass ich die Menschen, die dieses Verhalten an sich tragen, liebe. Eine Kategorisierung verhindert das meiner Meinung nach nicht.

  4. Hallo Stefan,
    ich möchte wetten, dass mindestens Gordon McDonald mich (und meine Frau) in die 2. und 3., scil. die „bösen“ Klassen, einteilen würde: wir möchten nämlich nicht, dass sich bestimmte Dinge ändern, und zwar einfach deshalb, weil wir glauben, dass sie per se unveränderlich und richtig sind. Nicht, weil es ‚en vogue‘ oder bequemer wäre, sondern, weil es die Bibel klar und deutlich so sagt und es nicht darauf ankommt, was ich, meine Frau oder auch Du davon halten mögen. Übrigens: es ist ein schrecklicher Kampf und *bedeutend* schwerer und unbequemer, eine Gemeinde aus solchen Gründen zu verlassen, als darin zu verbleiben. Die gesamte EMC ist auch bei noch so viel gutem Willen jedenfalls auf dem Irrweg, wenn sie auch noch so beharrlich meint, Leuten wie uns gehe es um lediglich die Bewahrung von Traditionen oder Bequemlichkeiten, geschweige denn „Richtigkeiten“, und da mag man auch noch so viele Kategorien, Stufen und Schubladen erfinden und die Leute danach selektieren wollen. Zu Frage 2. und 3.: wenn Du ernstlich Wege gehen willst, obwohl diese eine Deiner Gruppen nicht mitgehen will oder kann, bitte sie lieber, sich eine andere Gemeinde zu suchen, statt Gründe dafür zu suchen, sie zu „überhören“ oder ihnen den Mund zu verbieten zu dürfen. Es ist dann sowohl besser für sie als auch für Dich, aber sei auch vor dem Herrn sicher, dass Dein Weg richtig ist.

    Viele Grüße aus Hamburg,
    — Christian und Uta.

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