Tote Kinder

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Bei Facebook macht seit gestern eine Kampagne die Runde, die die UNO zu einem größeren Engagement gegen die Massenmorde in Syrien aufruft. Um das Anliegen zu unterstreichen wurde ein Foto mit veröffentlicht, auf dem tote Kinder zu sehen sind, die nebeneinander aufgereiht auf dem Boden liegen.

Das Bild hat mich verwirrt, weil ich nicht verstehe, warum es gezeigt wird. Ist es tatsächlich der naive Glaube, dass so ein Bild, eine Regierung zum Einlenken bewegt, die bis jetzt auf jede ausländische Meinung gepfiffen hat und die offensichtlich kein Problem damit hat, die eigenen Leute zu ermorden? Wohl kaum und um sie geht es ja auch nicht.  Der Adressat ist die UNO, die zum Einlenken bewegt werden soll, indem Menschen ihren Namen auf einer Homepgae hinterlassen.

Richtig, die UNO, die seit Wochen überlegt, was sie tun kann, was völkerrechtlich vertretbar ist, die sicherlich manchmal etwas langsamer arbeitet, als es nötig wäre, aber der man nun wirklich nicht vorwerfen kann, sie würde sich in dem Tiefschlaf befinden, der ihr hier vorgeworfen wird.

Was ich aber vor allem nicht verstehe, ist die radikale Pulverisierung des ethischen Wertes, dass tote Menschen nicht öffentlich gezeigt werden, aus Respekt vor ihnen und um unser Gehirn vor solchen Bildern zu schützen – und tote Kinder nahmen hier noch einmal eine ganz besondere Rolle ein.

Nun wird mit unmenschlichen Methoden im Namen der Menschlichkeit mit diesem Tabu gebrochen und eine individualisierte Berichterstattung lässt sich unreflektiert und hemmungslos darauf ein und verbreitet den Artikel als Massenware in der Welt der sozialen Netze. Die Grenze ist gefallen.

Nein, ich werde das nicht teilen.

 

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