Spener

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Philipp Jakob Spener (1635-1705) war einer der ganz Großen des Pietismus. Mitten in einer Zeit, in der es wieder einmal mehr oder weniger zappenduster in der Kirche aussah, schlug er ein paar Dinge vor, wie es wieder etwas heller werden könnte. Ich finde seine Gedanken auch für unsere Situation sehr bedeutungsvoll.

Spener schlug vor:

1. Das Bibelstudium intensivieren

Für ihn reichte es nicht aus, einmal am Sonntag einen Gottesdienst zu besuchen. Unser Glaube braucht ein breites und tiefes Fundament.

Wenn wir fern von einer Mainstreamreligion und einer Volkskirche mit einem selbstbewussten und klaren Profil überleben wollen, müssen wir wissen, woran wir glauben und an wen – und hier kommen wir mit persönlichen Überzeugungen und Feiert-Jesus-Liedern nicht sehr weit.

2. Das allgemeine Priestertum neu entdecken

Spener kritisierte auf der einen Seite den Papst für die Unterdrückung der Laien, auf der anderen Seite beobachtete er auch eine gewissen Zufriedenheit bei den Gottesdienstbesuchern, dass sie ihren Glauben an vielen Stellen konsumieren und die Arbeit den Pastoren überlassen konnten.

Heute reden wir viel über den Gedanken einer missionalen Gemeinde. Einer Gemeinde, die sich mit ihren Glauben und dem, was sie tut, ihrer unmittelbaren Umgebung ganz hin gibt. Und nicht nur in so einer Gemeinde, sondern die Kirche als Ganzes setzt sich aus Menschen zusammen, die die gleichen Fähigkeiten und Vollmachten haben und die sich gegenseitig mit ihren Stärken und Gaben ergänzen sollen.

3. Eine erkennbare, christliche Lebensführung fördern

Spener war es wichtig, dass Christen nicht nur fromm reden, sondern die Liebe Gottes für Menschen anfassbar machen und sich für ihre Gesellschaft einsetzen.

Gleichzeitig sollte ihre Hingabe nicht nur ein Job sein, sondern ganz ihrem Lebensgefühl entsprechen, also echt sein.  Dazu war es wichtig, Prioritäten neu zu sortieren, selber zu verstehen, was im Leben wertvoll und wirklich gut ist, wie ich als Christ meinen Alltag so gestalten kann, dass es Gott ehrt und wie Glaube anderen so vorgelebt werden kann, dass er ansteckend ist.

4. Liebevoll um Andersgläubige werben

Ja, richtig, ihm war es nicht egal, ob Menschen sich für seinen Glauben entscheiden oder nicht. Und wenn wir davon überzeugt sind, dass eine persönliche Beziehung zu Gott das Beste ist, was einem Menschen passieren kann, dann sollte es uns auch nicht egal sein, aber auch das liebevolle Werben sollte hier im Mittelpunkt stehen. Kein radikales, einschüchterndes Drohen und auch keine Verkaufsgespräche, in denen jede Frage gleich mit einem Gegenargument niedergebrüllt wird. Liebevolles Werben braucht Zeit, nimmt den anderen mit seinem Zweifel und seinem Unglauben ernst, hört oft mehr zu als selbst zu reden, lässt dem anderen die Möglichkeit, auch Nein zu sagen und hat doch eine Absicht und endet nicht in einem ziellosen Herumphilosophieren.

5. Reform des Theologiestudiums 

Auch wenn es ihm wichtig war, dass in den Gemeinden nicht alles mit dem Pastor steht und fällt, so war es ihm doch auch wichtig, dass geistliche Leiter gut ausgebildet wurden – und eben nicht nur als Brainies, sondern als Menschen, die für andere ein Vorbild sein können, die in der Lage sind, auch Belastungen auf sich zu nehmen und die sich den Menschen wirklich hingeben und nicht ständig darauf achten, wie sie das dickstes Stück vom Kuchen abbekommen.

6. Die Predigt missionarisch-seelsorgerlich ausrichten

Die Verkündigung sollte wirklich die Herzen der Menschen erreichen und sie für den Alltag motivieren, wenn nötig korrigieren und ihnen Gott groß machen- und nicht nur persönliche, halbherzige manchmal auch einfach nur nichtssagende Textinterpretationen darstellen.

Vielleicht sollten wir den Punkt ganz nach oben setzen …

 

 

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