Von den Alten lernen

Manche Gemeinden, die das Seniorenalter schon lange hinter sich haben, haben einen großen Vorteil gegenüber jungen Gemeinden: Sie schauen auf viele Jahrzehnte zurück, in denen sie viele Dinge gut gemacht haben, aber in denen sie auch so manche falsche Entscheidung getroffen haben. Warum nicht voneinander lernen? Hier kommen sieben Lebensweisheiten von den Alten an die Jungen.

1. Redet deutlich darüber, wohin ihr als Gemeinde unterwegs seid, besonders mit denen, die neu dazu kommen
Wir haben diesen Fehler oft genug gemacht. Unsere Gründergeneration hatte eine klare Vision und eine unglaubliche Leidenschaft. Wir, die nach ihnen kamen, waren von ihrer Leidenschaft oft so begeistert, dass wir heute noch davon reden, aber wir haben oft nicht scharf genug gesehen, was sie sehen konnten. Heute „machen“ wir Gemeinde, irgendwie wie früher, weil es damals ganz gut lief und doch ganz anders. Oft merken wir nicht, dass wir auf der Stelle stehen und nicht wissen, wohin wir wollen, weil wir unsere Profillosigkeit mit der Pflege von Traditionen tarnen. Wir haben Angst, etwas ganz neu zu machen und manches neu zu denken, weil wir Angst haben, das zu verlieren, was uns ausmacht, was immer das auch ist.

2. Denkt früh genug darüber nach, was passiert, wenn euer Gründer einmal weiterzieht
Wir hatten oft sehr starke und innovative Gründer. Sie haben sich unglaublich investiert. Als sie gingen, blieb oft eine Lücke zurück. Wir haben nie gelernt, selber Verantwortung zu tragen und es war nie nötig, selber so eine brennende Leidenschaft zu entwickeln, weil ja alles perfekt lief. Wir haben dann den Gründer einfach gegen einen Gemeindeleiter oder einen Pastor ersetz, der in seine Fußstapfen treten musste. Viele von ihnen sind heute ausgebrannt, weil die Gemeinde weiter wuchs und niemand da war, der sie entlastet hat. Außerdem wussten wir genau, was ein Mensch alles leisten kann, denn wir hatten es bei unserem Gründer gesehen.
Bitte wiederholt den Fehler nicht. Ein guter Gemeindegründer sollte sich nach und nach so zurückziehen, dass er nicht mehr gebraucht wird und nach und nach seine Arbeit und Verantwortung an andere verteilen, sie begleiten, motivieren, für sie beten und dann weiterziehen.

3. Macht wenig, aber das macht gut
Wir haben heute ein unglaublich buntes Gemeindeprogramm, für alle Generationen und für jede Lebenslage. Die Gemeinde, die nur ein paar Straßen von uns entfernt liegt, hat fast ein identisches Programm. Ganz ehrlich? Das ist unglaublich anstrengend und wir sehen uns auch ein wenig als Konkurrenten. Unsere Mitglieder arbeiten hart daran, dass der Betrieb aufrecht erhalten kann. Manchmal brennen unsere Leute aus, weil sie Beruf, Familie und Gemeinde nicht mehr unter einen Hut bekommen. Viele von ihnen ziehen sich für eine „Auszeit mal ein paar Wochen zurück“ – und sitzen dann oft jahrelang in der letzten Reihe im Gottesdienst.
Macht das, was wir gut könnt und lasst euch noch genügend Zeit, um einfach Zeit miteinander zu verbringen, um miteinander zu feiern, Freundschaften zu pflegen und miteinander nach vorne zu denken. Dass ihr Gemeinde Jesu seid, wird an eurer Liebe untereinander erkennbar sein, nicht an euren Programmen.

4. Nehmt eure Gebäude nicht so wichtig
Rückblickend ist das eigentlich ziemlich albern, aber wir haben tatsächlich geglaubt, dass wir erst dann eine „richtige“ Gemeinde sind, wenn wir ein eigenes Gebäude haben. Wir haben lange dafür gespart, Monate bis Jahre für die Planung verbracht, miteinander gestritten und dann unsere letzten Kräfte auf der Baustelle gelassen. Manche Gemeinden sind darunter zerbrochen und viele sind bis heute so über beide Ohren verschuldet, dass sie keinen finanziellen Spielraum mehr haben. Wir haben unsere Gebäude oft zu klein oder zu groß gebaut und ärgern uns immer noch sehr darüber.
Wir hätten öffentliche Gebäude für wenig Geld mieten können. Wir hätten eine Kooperation mit einer anderen Gemeinde eingehen können. Wir hätten früh genug unsere Gemeinde in kleine Gruppen unterteilen und sie über die ganze Stadt verteilen können. Aber wir haben auf die gehört, die uns das Bild von einer Megachurch vor Augen gemalt haben.
Erst haben wir als Gemeinde unsere Gebäude gestaltet. Heute gestalten die Gebäude unsere Gemeinden.

5. Überlegt einmal gemeinsam, wie ihr mit dem Geld umgeht, das ihr spendet
Viele unserer Gemeinden stehen finanziell schlecht da. Wir kommen gerade so über die Runden. Dabei haben unsere Mitglieder oft hohe Einkommen und sie geben auch viel, aber jeder dorthin, wo er es für richtig hält. In den letzten Jahren sind so viele neue Spendenwerke entstanden und wir werden so gut aus allen möglichen Richtungen darüber informiert, wer noch alles unsere Unterstützung braucht. So bekommt dann jeder immer zu wenig.
Wenn wir noch einmal beginnen würden, dann würden wir hier offen reden. Vielleicht würden wir unseren Leuten den Vorschlag machen, dass jeder seinen 10. (oder wie viel er auch immer geben will) der Gemeinde gibt und wir dann zusammen überlegen, wie wir das Geld sinnvoll weiterverteilen. Damit könnten wir effektiver etwas bewegen und hätten vermutlich selber mehr Mittel zur Verfügung.

6. Behaltet die anderen im Blick
Wir waren so stolz auf uns. Wir hatten das beste Programm, den größten Bläserchor und den perfekten Pastor. Wir brauchten niemanden neben uns und die anderen Gemeinden haben uns nicht interessiert. Wir hatten ja alles. Wir haben nicht mitbekommen, dass andere Gemeinden gestorben sind, weil wir ihnen die Mitarbeiter nahmen, die dann bei uns zu Zuschauern wurden. Heute sehen wir, dass wir so viel mehr hätten erreichen können, wenn wir uns mit ihnen vernetzt hätten und wenn wir uns gegenseitig ergänzt hätten. Dafür ist es heute zu spät.

7. Lebt aus eurem Glauben, nicht aus euren Programmen
Ja, wir haben uns gefunden, weil uns unser Glaube an Jesus verbunden hat. Zumindest am Anfang. Dann drehte sich aber alles mehr und mehr um unsere tollen Programme und unsere unterhaltsamen Predigten. Heute streiten und diskutieren wir vor allem darüber, welcher Musikstil der richtige ist, welche Instrumente in einen Gottesdienst gehören und ob es möglich wäre, die Bibelstunde von Donnerstag auf Mittwoch zu verlegen.
Würde Jesus heute unsere Gemeinde verlassen, wäre das ein herber Schlag, aber wir kämen damit klar und würden einfach so weitermachen, wie bisher.
Bitte bleibt dabei, das ihr euch fragt, wie ihr am besten euren Glauben leben und ausdrücken könnt. Nehmt eure Programme, euren Stil und eure Musik nicht so wichtig und bleibt bereit, das alles zu ändern, wenn es nötig ist.

Ihr seid so wertvoll für die Menschen in eurer Umgebung.

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