Missional

Der Begriff “missionale Gemeinde” wandert im Augenblick durch viele Gemeinden, Zeitschriften und Bücher. Spannend finde ich dabei, dass – im Gegensatz zu vielen anderen Wellen und Gemeindetrends aus meiner Sicht es so gut wie keinen Gegenwind gibt (okay, bis auf ein paar Leute, die es sich zum Hobby gemacht haben, Bücher verbal zu verbrennen, bevor sie sie lesen). Vielleicht ist es mehr, als ein Trend und mehr als nur ein neues Gemeindemodell. Kann es sein, dass hier der ursprüngliche Herzschlag der Kirche wieder neu ans Licht kommt? Eine neue Reformation?

Erschreckend ist dabei allerdings zu sehen, wie missional manchmal verstanden wird. Da reicht die Spannweite von einem netten Gemeinde-add-on (“wir haben jetzt auch eine missionale Gruppe bei uns”) über die  Reduzierung auf bestimmte Veranstaltungen (“wir machen jetzt einmal im Monat einen missionalen Gottesdienst” (was immer das bedeuten mag) bis hin zu einem Austausch von Begriffen (“wir reden nicht mehr von Evangelisation, sondern von missionaler Arbeit”).

Das meiner Ansicht nach schönste und griffigste Bild für eine missionale Gemeinde kommt von Michael Frost (The road to missional, Seite 29). Er beschreibt hier die Szene in einem Kino vor dem Hauptfilm. Wir sehen dort ein paar Trailer, die uns zeigen, wie spannend, cool oder lustig irgendein Film ist, der demnächst erscheinen wird. Wenn der Trailer gut ist, wird sich im Kinosaal irgendjemand zu seinem Nachbarn umdrehen und ihm sagen:

“Ich will diesen Film sehen.”

Eine missionale Gemeinde ist eine Gemeinschaft von Menschen, die das Reich Gottes in kleinen Ausschnitten anderen Menschen so sichtbar macht, dass sie sagen:

“Ich will diese Welt kennen lernen. Ich will mehr von dem sehen, was sie verstanden haben.”

 

Es geht nicht in erster Linie darum, was wir tun, sondern wie wir Menschen begegnen. Nicht in erster Linie um unsere Lehre, sondern um unser Sein.

 

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5 thoughts on “Missional

  1. Eine Verwandte von “wir reden nicht mehr von Evangelisation,….” scheint mir das “es ist eigentlich das, was wir schon immer gemacht haben” zu sein…

  2. Ich habe ein paar Bücher über das Thema gelesen und so manches Mal in der Gemeinde darüber geredet, aber ich habe jetzt erst kapiert, was missional überhaupt bedeutet. Es ist so lässig einfach und genial. Danke für deinen Beitrag. Du hast eine geile Art, Dinge auf den Punkt zu bringen, auch wenn du die Bilder von anderen benutzt. Schreib doch mal endlich selber ein Buch. Dein Stil hat was.

  3. Da stimme ich Samuel zu. Beides höre ich häufiger. Auch auf der Taborwoche hatten wir einen Vortrag zu missionaler Gemeinde, der aber genauso gewesen wäre, wenn er evangelistische oder auch missionarische Gemeinde betitelt worden wäre.
    Für mich hat „missional“ immer auch mit Theologie zu tun, das „Konzept“ missional ohne das „Konzept“ missio Dei finde ich schwierig.

    • Wobei ich denke, dass wir hier sehr genau hinsehen müssen und uns vor pauschalen Schlüssen schützen sollten. Die gleichen Begriffe werden von unterschiedlichen Gemeinden auch zu unterschiedlichen Zeiten ganz anders gefüllt. Es reicht nicht mehr, einen Begriff auf den Tisch zu legen und alle nicken, weil ihn alle gleich verstehen.
      Gleichzeitig sehe ich die große Herausforderung, vor der wir stehen, wenn wir versuchen, aus unserem traditionellen Gemeindeverständnis heraus ein missionales Lebensgefühl wachen zu lassen. Wir können nicht die alten Mauern einfach einreißen. Und ich finde es auch nicht wirklich gelungen, die Menschen zu sammeln, die Gemeinde neu denken wollen, um mit ihnen wegzugehen und woanders neu zu beginnen. Das wäre der einfachste weg, aber meiner Meinung nach wäre dieser Weg mit Lieblosigkeit gepflastert. Es ist heftig, von einem 70 oder 80jährgen Menschen noch einmal zu verlangen, dass er sein Gemeindeverständnis komplett über den Haufen werfen muss.
      Wir werden hier mit Spannungen leben müssen, Traditionen würdigen und gleichzeitig Neues beginnen.

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