Lern-Fähigkeit

Nach meinem letzten Post wurde ich gefragt, was ich unter der Lernfähigkeit einer Gemeinde verstehe. Sie ist  für mich das Produkt aus den Faktoren Sinn, Hoffnung und Kompetenz. Oder für die visuellen Menschen unter uns:

Sinn x Hoffnung x Kompetenz = Größe der Lernfähigkeit

Wobei der Sinn nach dem Grund des Handels einer Gemeinde fragt. Warum sollen wir etwas tun, etwas verändern?
Die Hoffnung fragt nach dem Ziel des Handelns. Was erwarten wir? Was könnten wir erreichen, wenn wir etwas verändern oder neue Wege gehen?
Und die Kompetenz fragt nach der Fähigkeit, diese neu gesteckten Ziele oder Ergebnisse auch in die Realität umzusetzen.

Wichtig dabei ist für mich, dass wir sehen, dass keiner dieser Größen gleich Null sein kann. Wenn ich keinen Sinn hinter meinem Handeln sehe, werde ich bei der erst besten Gelegenheit aussteigen. Ohne Hoffnung werde ich ziel- und planlos umherirren oder gleich alles sein alles und aufgeben. Und wenn mir die Kompetenz fehlt, mein Wissen umzusetzen, dann kann ich schlaue Bücher schreiben, aber nicht das Leben meiner Gemeinde verändern.

 

Ergänzung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es noch:  “Lern-Fähigkeit ist für mich die Summe aus zwei Kompetenzen: Unter Lernen verstehe ich die Kompetenz einer Gemeinde, Informationen so verarbeiten zu können, dass sie helfen, gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen eigenständig zu meistern und unter Fähigkeit die Kompetenz, dieses Wissen auch in das eigene Leben umzusetzen. Und die Lernfähigkeit wiederum ist für mich das Produkt aus den Faktoren Sinn, Hoffnung und Kompetenz. Oder für die visuellen Menschen unter uns: Sinn x Hoffnung x Kompetenz = Größe der Lernfähigkeit.”
Diese beiden Formeln haben offensichtlich ein wenig irritiert, zumal ich in beiden den Begriff Kompetenz verwende. Zur allgemeinen Entspannung habe ich darum den Artikel verändert.

Starke Gemeinde – ein paar erste Ideen

Vor einigen Tagen las ich das Buch von Tobias Faix, Tobias Künkler und Martin Hofmann: Warum ich nicht mehr glaube.
Wirklich gut. Solltest du eine gewisse intellektuelle Leere in dir spüren, liegt es vielleicht daran, dass du es noch nicht gelesen hast :).
Ein Kapitel blieb bei mir besonders hängen. Dort geht es um die Frage, wie Menschen einen starken Glauben entwickeln können. Auch wenn manches von dem, was die Drei dort aussagen, noch auf etwas wissenschaftlich wackligen Füßen steht, haben mich die Ideen und Übertragungen aus der Resilienzforschung so fasziniert, dass ich mir die Frage gestellt habe, ob so etwas auch im Blick auf die Gemeinde denkbar ist. Daraus haben sich ein paar Fragen formuliert, die seitdem in meinem Kopf umherwandern. Zum Beispiel frage ich mich:

Kann man messen, wie widerstandsfähig eine Gemeinde ist, wenn sie in eine Krise gerät?

Gibt es Tools, mit deren Hilfe geübt werden kann vorhandene Ressourcen zu beleben und so einzusetzen, dass die innere Stärke einer Gemeinde erhöht werden kann?

Um hier einen Schritt weiter zu kommen, habe ich mich mit mir darauf geeinigt, dass ich davon ausgehe, dass eine Gemeinde als soziales System grundsätzlich genauso „tickt“ wie ein menschliches System. Zwar ist dieses System deutlich (nahezu unendlich) komplexer, aber funktioniert eben doch nach denselben Prinzipien. Ich weiß, Luhmann dreht sich gerade im Grab um, aber da muss er jetzt mal ganz tapfer durch. Ohne so eine Vereinfachung kommen wir nur weiter bis zum nächsten Aber und das macht eben keinen Spaß.

Eine zweite Annahme: Ich vermute, dass man eine Gemeinde mit einem hohen Resilienzfaktor nicht daran erkennt, wie viele Leute im Gottesdienst sind oder wie niedrig das Durchschnittsalter ist. Vermutlich sind sogar kleine, uralte Versammlungen in der Regel deutlich widerstandsfähiger als junge hippe Gemeinden, aber das müsste einmal an einer anderen Stelle untersucht werden.

Die beiden Autoren und Wissenschaftler Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse (das sind wirklich nur zwei), haben ein sehr schönes Buch über Resilienz geschrieben. Sie zitieren Wustmann, der Relisienzfaktoren „als Eigenschaften, die ein Kind in der Interaktion mit seiner Umwelt und durch erfolgreiche Bewältigung von alterspezifischen Entwicklungsaufgaben erwirbt“ (Resilienz, Seite 40).

Was würde passieren, wenn wir es schaffen würden, in unseren Gemeinden diese Eigenschaften bewusst zu fördern und zu erlernen? Denn die gute Nachricht ist ja: Resilienzfaktoren sind nicht angeboren, sondern können erlernt werden.

Ich habe diese Faktoren einmal herausgeschrieben und versucht, eine Übertragung zu skizzieren. Ja, das ist alles noch sehr bruchstückhaft, aber vielleicht hat jemand von euch Lust, hier mit weiterzudenken.
 
Selbst- und Fremdwahrnehmung 
Erklärung: Damit ist eine angemessene Selbstwahrnehung und Selbsteinschätzung gemeint, sowie ein angemessener Umgang mit Informationen gemeint.
Übertragung: Wer sind wir als Gemeinde? Wo stehen wir heute? Wie würden wir einem Freund unsere Gemeinde beschreiben? Welche Kernbegriffe fallen uns bei so einer Beschreibung auf? Wie sehen andere, Christen und Nichtchristen, Nachbarn, andere Gemeinden, öffentliche Vertreter uns? Vor welchen Herzausforderungen stehen wie im Augenblick?

Selbstwirksamkeit
Erklärung: Die Überzeugung, Anforderungen bewältigen zu können.
Übertragung: Trauen wir uns zu, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen? Können wir unsere Gemeinde entwickeln?

Selbststeuerung
Erklärung: Regulation von Gefühlen und Erregung, sich zu beruhigen oder auch, sich aufzuregen
Übertragung: Können wir schnell Schwierigkeiten und Unvorhergesehenes “wegstecken”? Gibt es andererseits Situationen und Zustände, die uns noch wütend machen? Leiden wir unter sozialer und geistlicher Ungerechtigkeit („solange wir hier „richtig“ glauben ist alles gut, was mit den anderen passiert, interessiert uns nicht“) oder lässt uns das kalt?

Soziale Kompetenz
Erklärung: Unterstützung holen, sich zu behaupten und die Fähigkeit, Konflikte selber zu lösen
Übertragung: Haben wir die Größe, uns von außen Hilfe zu holen (nicht nur “Lückenfüller” und “Stundenhalter”)? Wie offen gehen wir mit Konflikte um? Suchen wir einen Schuldigen oder nach einer Lösung? Sehen wir Konflikte als Möglichkeit, um miteinander zu wachsen?

Problemlösefähigkeit
Erklärung: Entwicklung von Strategie zur Informationsgewinnung und dem erreichen von neu gesetzten Zielen.
Übertragung: Sind wir in der Lage, einen “Problemlösezyklus” (Resilienz, Seite 54) miteinander zu gestalten? Wer kann uns dabei als Moderator begleiten?

Adaptive Bewältigungskompetenz
Erklärung: Fähigkeit zur Realisierung von vorhandene Kompetenzen in der Situation
Übertragung: Wie kommen wir vom Reden zum Handeln? Welche Instrumente lassen wir zu, um die Ergebnisse unserer Arbeit zu messen?

Ein Trainingsprogramm für Gemeinden müsste sehr vielschichtig gestaltet werden und kann nicht mit einer Predigtreihe, einem Hauskreisabend und ein paar Kopiervorlagen abgehakt werden. Dazu brauchen wir u.a. ein hohes Maß an Lernfähigkeit und die Fähigkeit, Lern- und Innovationsblockarden zu überwinden. Hier sind alle Mitglieder in ihren Funktionen als Teilnehmer, Leiter und Hauptamtliche genauso herausgefordert, wie Ortsgemeinden, Verbände usw.. Wir brauchen eine sorgfältige und saubere Evaluierung der Ergebnisse und vor allem viel Geduld. Kurz gesagt: So ein Programm ist keine nette Unterhaltung im Sommerloch, sondern harte Arbeit, die weh tun kann.

Lohnt es sich, hier weiterzudenken und vor allem weiterzugehen? Ich denke ja. Gerade weil wir heute ganz dringend tragfähige Gemeinden brauchen, die an Krisen nicht zerbrechen, sondern daran noch stärker werden.

Macht Gott glücklich?

Schlagermusik ist in Deutschland nach wie vor ein Renner. Andy Borg, Costa Cordales, DJ Ötzi und viele andere verdienen Millionen mit ihren Titeln. Und auch wenn ihre Musik sich immer noch unterscheidet, so haben sie etwas gemeinsam: Es geht in den Texten immer um das Thema Glück, darum, wie sie ein glückliches Leben anfühlt oder wie man am besten die Sorgen mal loslassen kann. Es geht um Liebe und es geht um die anderen schönen Momente im Leben.
Niemand singt einen Schlager darüber, wie anstrengend es sein kann, eine neue Arbeitsstelle zu suchen oder wie grausam es ist, von seinem Ehepartner misshandelt zu werden.
Das hat weniger damit etwas zu tun, dass Schlagermusiker in erster Linie Menschen sind, die niemals Probleme haben, sondern es geht um die Sehnsucht in uns drin. Wir wollen glückliche Menschen sein. Wir vermissen die Leichtigkeit, die wir damit verbinden. Darum hören wir Schlager, um wenigstens ein wenig das Gefühl zurückzubekommen.
Auch die Werbung hat längst erkannt, wie sehr wir uns nach Glück sehnen. Achtet einmal darauf, wie viele Produkte mit dem Etikett „Glück“ beworben werden. Wenn in der Werbung Familie beim Essen zusammensitzen, dann strahlen sie immer voller Begeisterung. So wird selbst die schnöde Tiefkühlpizza zum echten Glücksbringer.
Es gibt Hundefutter, bei dem der Hersteller verspricht, dass mein Hund davon glücklich wird. Wobei ich bis jetzt immer dachte, dass das nur die Glückspilze aus Holland schaffen. TUI hat Angebote im Programm, die mir die glücklichsten 2-3 Wochen des Jahres versprechen, wenn ich bei ihnen buche. Kauf mich und du wirst glücklich. Endlich.
Wenn es denn so einfach wäre.

Und vor allem wir Deutsche scheinen es uns da ja schon etwas schwer mit zu tun, einfach glücklich zu sein. Wissenschaftler veröffentlichen jedes Jahr eine Art Glücksaltlas für die Weltbevölkerung. Sie befragen ganz viele Menschen aus ganz vielen Ländern danach, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Dabei fällt wieder einmal auf, dass materieller Reichtum und Lebensglück nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben.
Denn wir Deutsche landen zwar bei der Frage nach unserem Wohlstand, der medizinischen Versorgung und der Qualität unserer Wohnungen immer auf den ersten Plätzen, aber in der Frage, wie zufrieden und glücklich wir sind, haben wir es gerade einmal auf Platz 35 geschafft.
Und die Tendenz dabei ist schon beunruhigend. Auch wenn wir es schon immer geahnt haben, aber es geht tatsächlich immer leicht bergab. Denn die Untersuchung wird bereits seit Ende des zweiten Weltkrieges durchgeführt und daraus lässt sich ablesen, dass wir einerseits immer wohlhabender und andererseits immer unzufriedener mit unserem Leben werden. Warum auch immer.

Vielleicht steckt die Unzufriedenheit ganz tief in uns drin. Der Kabarettist und Arzt Eckhard von Hirschhausen treibt diesen Gedanken auf die Spitze, wenn er behauptet, dass wir Deutschen über ein Hirnteil verfügen, das andere Nationen nicht haben. Neben dem Stirnlappen, der für das Planen zuständig ist und dem Seitenlappen, der unsere Eindrücke, Ideen und Erinnerungen miteinander verknüpft, besitzen wir den sogenannten Jammerlappen.
Er hat zwar keine direkte Verbindung zum Auge, kann aber jedes Unglück selbst bei völliger Dunkelheit kommen sehen. Er hat keinen Zugang zum Gedächtnis, aber er erinnert sich sehr genau, dass früher immer alles besser war. Der Jammerlappen ist die Instanz, die uns daran hindert wirklich glücklich zu sein.

Eine andere Ursache, warum es uns oft schwerfällt, einfach einmal mit gutem Gewissen und ausgelassen glücklich zu sein, könnte darin liegen, dass es tief in uns drin steckt, dass wir schuldige und fehlerhafte Menschen sind und auch gerne die Fehler bei anderen Menschen suchen.
Wenn nirgendwo ein Unfall geschieht, dann stellen wir oft zwei Fragen hintereinander: 1. Wie viele Tote und Verletzte und 2. Wer hat Schuld? Wer muss die Verantwortung tragen? Und Schuld hat immer einer.
Wenn an einem Fließband in der Produktion etwas schief läuft, dann muss auch hier der Schuldige gesucht und gefunden werden. Erst dann kann der Alltag wieder einkehren. Ein rollender Kopf sorgt für ein ausgewogenes Gleichgewicht. Mit so einer Haltung fällt es schwer, wirklich glücklich seinen Alltag zu bestreiten. Jemand sagte einmal: „Aus dem deutschen Volk der Dichter und Denker ist ein Volk der Richter und Henker geworden.“

Wer meint, das sei doch durch und durch menschlich, der irrt sich gewaltig. Der Jammerlappen gehört uns. So werden zum Beispiel bei der japanischen Firma Toyota Prämien ausgeschrieben für Mitarbeiter, die einen Fehler im Produktionsvorgang finden. Hier geht es nicht um die Frage, wer den Fehler verursacht hat, sondern es geht allein darum, wie die beste Lösung gefunden werden kann.

Viele von uns sind mit einem sehr starken Schulddenken geistlich groß geworden. Man hat uns beigebracht, dass es in unserem Leben als Christen ganz stark darum geht, dass wir immer bessere Menschen werden und das wir jeden Bereich unseres Lebens optimieren und so gestalten, dass es Gott ehrt. Grundsätzlich ist das richtig, aber in der Realität hat das bei vielen dafür gesorgt, dass sie in eine brutale Werksgerechtigkeit zurückgekehrt sind und versucht haben, aus eigener Kraft heraus immer besser zu werden und sich immer mehr Jesus hinzugeben. Jede kleine Sünde, jeder Tag, der keinen Sieg verbuchen konnte, war ein schlechter Tag. Viele von uns hat das in eine tiefe Traurigkeit und Verzweiflung hinein getrieben. Weil sie sich ständig Gott gegenüber schuldig gefühlt haben.
Ich habe in einem Buch ein Gebet gelesen, das mit den Worten begann: „Gott, statt dich mehr und mehr zu lieben, habe ich über Jahre hinweg dich mehr hassen gelernt. Du warst für mich ein Gott, der mir ständig meine Schuld vor Augen führt und meine Unfähigkeit mich zu ändern mit meinem andauernden Scheitern belegst. Ich kann nie so werden, wie ich in deinen Augen sein soll.“

Wenn du so lebst und glaubst, dann ist es schwer, wirklich glücklich zu sein. Und eine Jahreslosung, in der es darum geht, dass unsere Nähe zu Gott unser Glück sind, muss dann unglaublich hol und kraftlos wirken, oder?

Wie kann ich glücklich darüber sein, Gott nah zu sein, wenn er mich ständig daran erinnert, wie unvollkommen und schuldig ich letzten Endes vor ihm bin, egal, wie viel Mühe ich mir gebe. Wäre es hier nicht besser, wenn Gott ganz weit weg wäre?

Das Gegensatzwort von Glück ist übrigens nicht Unglück. Denn wer in seinem Leben viel Unglück erlebt, viele Katastrophen durchmachen muss, der kann durchaus noch glücklich sein. Glücklich mitten im Chaos. Denkt an Menschen wie Paul Gerhard, die ganz viel Unglück erlebt haben. Er hat den größten Teil seiner Familie selber beerdigt, hat die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges erlebt und war über viele Jahre arbeitslos. Er wusste oft nicht, wie es weitergehen soll und trotzdem drücken seine Lieder ganz viel Dankbarkeit und Lebensfreude aus.
Oder denkt an den Choral „In dir ist Freude, in allem Leide.“ Wir können scheinbar trotz Unglück immer noch glückliche Menschen sein.
Nein, das Gegensatzwort von Glück ist nicht Unglück, sondern Depression. Glück ist ein tiefes inneres Gefühl, das Leben intensiv zu erleben und zu leben. Wer glücklich ist, spürt eine tiefe innere Lebensfreude.
Wer depressive Tage kennt oder dauerhaft darunter leidet, der weiß, wie schwer es ist, ohne solche Glücksmomente auskommen zu müssen. Das tut einfach nur weh.
Somit hat Glück auch immer eine soziale Komponente. Wenn wir glücklich sind, dann lassen wir uns gern auf andere Menschen ein und ertragen auch viel einfacher schwierige Menschen. Wir sind gelassener und großherziger.
Ein Kennzeichen der Depression ist es, dass wir uns abkapseln, uns einigeln und das Gefühl haben, wirklich ganz und gar einsam zu sein. Wer glücklich ist, ist auch offen für andere.

Die große Frage ist natürlich: wie werden wir zu glücklichen Menschen? Denn ich vermute, dass jeder von uns genau das möchte.

Manche versuchen das auf einem sehr merkwürdigen Weg, in dem sie sich Glücksbringer anschaffen. Irgendwelche Gegenstände, die dafür sorgen sollen, dass sie das Glück nach Hause bringen.
Die Hasenpfote. Wobei ich bei der besonders nachdenklich werde. Denn der Hase hatte ursprünglich vier davon und das hat ihm offensichtlich kein Glück gebracht.
Der Schornsteinfeger. Der angeblich neben etwas Ruß und der Jahresendabrechung auch das Glück ins Haus bringt. Ein echtes Argument gegen Fernwärme, denn dann kommt er nicht mehr.
Oder das vierblättrige Kleeblatt. Wobei wir auch hier einschränkend sagen müssen, dass das immer auch eine Frage des Standpunktes ist. Denn wenn dieses Kleeblatt direkt neben einem Atomkraftwerk wächst und vier oder vielleicht sogar fünf Blätter hat, dann sollten wir drauf verzichten Glückshormone freizusetzen und die Zeit lieber dazu nutzen, so schnell wie möglich zu verschwinden.
Wobei uns dieses Kleeblatt interessanterweise hin zu Jesus bringt. Denn das es ein Glücksymbol ist, liegt weniger daran, dass es besonders selten ist, sondern an seiner Form. Christen im Mittelalter sahen das vierblättrige Kleeblatt deswegen als Glückbringer, weil es die Form eines Kreuzes symbolisiert.
Darum sollte das Kleeblatt sie immer daran erinnern, dass Jesus derjenige ist, der ihnen das wirkliche Glück gebracht hat und bringt.

„Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“

Gott nahe zu sein bedeutet, dass wir dort sind, wozu wir geschaffen wurden. Er hat uns ja gerade gemacht als Ebenbilder und die ganze Bibel ist randvoll mit der Botschaft, dass er will, dass wir eine Beziehung zu ihm haben. Eine Beziehung, die weit über den Tod hinaus geht. Dafür sind wir geschaffen. Von Gott entfernt zu sein, ist darum ein sinnloses Leben. Wie ein Werkzeug, das ungebraucht im Schrank liegt. Wie ein Haus, das nicht bewohnt wird oder wie ein Buch, indem wertvolle Dinge stehen, das aber nicht gelesen wird. Man kann alle diese Dinge ansehen und vielleicht schön finden, aber wenn wir sie nicht für das einsetzen, für das sie geschaffen wurden, sind sie sinnlos.
Genauso ist es mit unserem Leben, das wir von Gott entfernt leben. Da können schöne Dinge vorkommen, aber nichts davon wird bleiben, wenn wir gehen. Nichts davon können wir mitnehmen. Und wenn wir das verstanden haben, dann werden wir feststellen, wie sinnlos ein Leben ohne Gott wirklich ist und wie leer und wie ziellos.
Glücklich werden wir, wenn wir nach Hause kommen. Wenn unser Leben dort stattfindet, wozu es geschaffen wurde.
Und so wurde Jesus für uns zum Glücksbringer. Weil er sich ja gerade aufgemacht hat, um uns nach Hause zu holen. Und wieder zurückzubringen in die Beziehung mit dem Vater. Weil er dafür gesorgt hat, dass nichts mehr zwischen uns und Gott steht. Wir brauchen keine Angst mehr vor ihm zu haben und wir müssen und für unsere Unvollkommenheit nicht schämen.

Weil Jesus für mich stark war, bin ich frei, schwach zu sein.
Weil Jesus für mich gewonnen hat, bin ich frei, um zu verlieren.
Weil Jesus ein Jemand ist, bin ich frei, ein Niemand zu sein.
Weil Jesus ganz besonders ist, bin ich frei, gewöhnlich zu sein.
Weil Jesus für mich erfolgreich ist, bin ich frei, zu scheitern.

(Tullian Tchividjian)

Alles das, aus dem der Stoff ist, um und in eine geistliche Depression zu treiben, wurde uns von ihm abgenommen.
Wir dürfen tatsächlich als freie und von Schuld befreite Menschen Gott nahe sein. Hier finden wir unser Glück.

Das klingt jetzt für die einen vertraut und für die anderen typisch fromm. Und für andere vielleicht eher befremdet, weil für sie Glück und Gott keine Begriffe sind, die zusammengehören.
Glück ist für sie vielleicht ein besonders schöner Moment oder ein Gefühl, das sie genießen, aber keine geistliche Erfahrung.

Um zu verstehen, warum wir so ticken, macht es Sinn, dass wir noch einen Blick in unser Gehirn werfen. Dort wirken zwei Hormonsysteme, die sich eigentlich wiedersprechen. Das eine ist das Dopaminsystem und das andere das Oxytoccinsystem.
Beide haben etwas mit unserem Glücksempfinden zu tun.

Wenn wir ein Stück Schokokuchen essen, dann kann uns das durchaus glücklich machen, weil in diesem Moment die Dopaminproduktion angekurbelt wird. Für einen Augenblick fühlen wir uns gut. Aber Dopamin hat keine Langzeitwirkung. Irgendwann pendelt sich unser Glückgefühl wieder auf Null ein. Die mögliche Reaktion darauf wäre entweder das nächste Stück Kuchen oder wir versuchen, auf andere Weise Dopamin freizusetzen – das kann der gleitende Übergang zum Abendessen sein, schöne Musik, Sport oder was auch immer. Wir können auf diese Weise uns von einem Glückskick zum nächsten hangeln.

Die fromme Variante davon wäre die, dass wir darauf achten, vor allem Gottesdienste zu besuchen, die möglichst aufregend sind und in denen wir viel erleben.
Dopamin lebt von Spannung, davon etwas erreichen zu wollen, etwas zu begehren und davon, ständig etwas Neues zu erleben. Das lässt uns neugierig bleiben, macht uns aber auf Dauer nicht glücklich, sondern nur müde oder dick.

Das andere Hormon ist das Oxytoccin. Es dauert ein wenig, bis es freigesetzt wird. Wir erleben es, wenn wir uns längere Zeit auf etwas konzentrieren und dann ganz darin aufgehen. Wenn Freundschaften immer mehr in die Tiefe wachsen und aus dieser Vertrautheit das Gefühl erwächst: Ich will dich nie wieder verlieren. Wenn es nicht mehr um die Frage geht: Was kann ich mit dir erleben, sondern die Überzeugung so sonnenklar im Raum steht: Es ist so wunderschön, dich zu kennen und dir nah sein zu können.
Hier geht es mit einem mal darum, jemanden um seiner selbst willen zu lieben und dabei zu merken, wie diese Beziehung uns unendlich glücklich macht.
Hier fragen wir nicht: Was habe ich von dir, wenn ich Zeit mit dir verbringe? In solchen Momenten wollen wir einfach an keinem anderen Ort mehr sein.
Und das, was wir im Kleinen in solchen Momenten mit anderen Menschen erleben ist das, was wir im Großen für immer mit Gott erleben werden.

Mit Gott verbunden zu sein und zu bleiben, macht uns unendlich reich und unendlich glücklich.

Müssen wir uns neu erfinden?

Seit ein paar Tagen geistert ein Gedanke durch meinen Kopf, der nicht neu, aber irgendwie gerade besonders laut ist. Unsere Gesellschaft besteht ja aus vielen Teilsystemen, etwa der Politik, der Wissenschaft, der Kunst usw.. Sie existieren nicht isoliert nebeneinander, sind aber trotzdem in sich selbstständig. Seit der Reformation oder spätestens mit der Aufklärung haben sich diese Teilsysteme mehr und mehr von der Kirche emanzipiert.
Ob das gut oder schlecht für die eine oder andere Seite ist, ist ein ganz anderes Thema. Sicher ist, dass die Kirche dadurch sehr stark an Relevanz verloren hat und dieser äußere Relevanzverlust hält immer noch an und wird immer sichtbarer.

Ich weiß nicht, ob ich damit daneben liege, aber ich bilde mir ein, dass ich seit einigen Jahren nun mehr und mehr auch einen inneren Relevanzverlust wahrnehme. Ich meine damit, unsere Anstrengungen, Kernaufgaben der Gemeinde Jesu mehr und mehr an darauf spezialisierte Organisationen zu delegieren. Wir haben Missionsgesellschaften, die sich um unsere Missionare kümmern, Ausbildungsstätten, die qualitativ hochwertige Studiengänge anbieten und zahllose diakonische Einrichtungen, die unseren Glauben für uns stellvertretend in die Tat umsetzen. Auch das ist nicht neu, erzeugt aber mehr und mehr Passivität, da “unsere” Aufträge von anderen erfüllt werden.

Hinzu kommt eine radikale Verbreiterung der Angebotsmenge im Blick auf Verkündigung und Seelsorge. War die Predigt am Sonntagmorgen noch vor 300 Jahren alleiniges Zentrum der biblischen Lehre, so schauen wir heute auf eine ständig wachsende Anzahl von Büchern, Zeitschriften, Internetplattformen, Fernseh- und Radiosendungen. Für die Seelsorge ist auch noch der Pastor zuständig, aber neben ihm stehen gleichzeitig Hunderte von Beratern, Coaches, therapeutischen Seelsorgern in bester Lage und zu halbwegs moderaten Preisen.
Eine weitere Beobachtung ist die, dass es so etwas wie eine Gemeindemüdigkeit zu geben scheint. Die Besucherzahlen im Gottesdienst gehen zurück, falls deine Gemeinde nicht zu einer dieser hippen attraktionalen Veranstaltungszentren gehört, die mit ziemlich guter Musik, unterhaltsamen Predigten und gut aussehenden Besuchern die Leute anzieht.

Wir sagen, die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt, aber ist das oft nicht mehr, als eine leere Worthülse? Brauchen wir sie in der Form, wie wir sie heute noch kennen, überhaupt noch? Wir haben genug Alternativen.
Was würde dir fehlen, wenn es deine Gemeinde vor Ort nicht mehr geben würde? Und was würde den Menschen in deiner Stadt wirklich fehlen?
Ich glaube daran, dass Gemeinde Jesu kein Auslaufprodukt ist, aber ich frage mich, ob wir sie nicht neu erfinden müssen. Und wenn ja, was das genau bedeutet.
Ein missionlaer Ansatz klingt erst einmal sehr schlüssig und es gibt wertvolle Beispiele von Gemeinden, die in dieser Richtung unterwegs sind, aber ist das die einzige Antwort? Was ist mit den Gemeinden, die in sich so müde geworden sind, dass schon die Organisation eines Straßenfestes wieder einmal darin endet, dass drei alles machen und der Rest an dem Tag woanders ist?
Ich denke über dieses Thema schon sehr lange nach. Vielleicht ist es an der Zeit, hier radikaler zu denken, statt kleine Veränderungen aneinander zu reihen.

Ich habe hier auch keine wirklich guten Antworten, aber vielleicht habt ihr sie.

Nur mal eine Vorwarnung

Im Augenblick sieht es so aus, als würde jemand versuchen, meine Seite wieder einmal zu hacken. Wer auch immer und warum auch immer. Sollten also hier in den nächsten Tagen einmal komische und unsinnige Posts von “mir” erscheinen, bitte ignoriert sie einfach.

Pferdefleisch – ein Nachruf

Eins weiß ich: wenn mir demnächst mal wieder ein Hesse zuruft: „Esse‘ is‘ pferdisch“, dann werde ich vorsichtiger sein. Wir erleben gerade den größten Fleischskandal des Jahres. Gut, es ist Februar und damit haben wir noch ein wenig Luft nach hinten und trotzdem landen Fertigprodukte (endlich) gerade auf den hinteren Plätzen auf der Konsumliga oder in der Tonne. Man weiß ja nie.

Kurz bevor der große Aufschrei langsam verebbt, möchte ich noch mal ein paar kurze Gedanken in die Runde streuen.
Erst einmal etwas Positives: Pferdefleisch ist kein Gammelfleisch. Ja, auch mir ist klar, dass ein Pferd viel süßer guckt und viel schöner aussieht, als ein Rind, das den ganzen Tag gelangweilt auf der Weide steht und langsam ins Gras beißt. Jedenfalls, wenn es mit der Haltung gut läuft. Ansonsten steht es meistens Schulter an Schulter neben seinen Kumpels im Stall, frisst, was die Edelstahlwanne so hergibt und hofft auf ein baldiges Ende und ein besseres Leben im Rinderhimmel, während das Pferd fröhlich auf der Weide herum galoppiert.
Hinzu kommt, dass Black Beauty, Fury und Mister Ed die Helden unserer Kindheit sind und wir es deswegen nicht zulassen können, dass jemandem aus ihrer Familie auch nur ein Haar gekrümmt wird.”Barnie, das fette Rind” hat nie den Heldenstatus erreicht. Trotzdem haben Rinder und Pferde einigest gemeinsam, zum Beispiel: Ihr Fleisch ist essbar und das Aussehen nicht zu unterscheiden (ich meine das vom Fleisch). Alles weitere findet in unseren Köpfen statt.

Natürlich bleibt der Betrug mit dem Pferdefleisch eine Sauerei. Wenn ich auf der Zutatenliste „Rind“ lese, dann will ich auch, dass da nur Rind drin ist, aber eine Frage sollten wir uns einmal stellen: Wo kommen die vielen Pferde eigentlich plötzlich her? Und warum landen DIE plötzlich in der Suppe und nicht wie wir es gewohnt sind, das gute alte Rindvieh?

An dieser Stelle kann es uns passieren, dass der Schuss zwar nicht nach hinten los geht, uns aber im Rücken trifft. Habt ihr euch einmal gefragt, warum die vielen Ponyhöfe in Österreich, Italien und vermutlich auch in vielen anderen Ländern Europas Jahr für Jahr süße, unschuldige Fohlen zum Streicheln und Liebhaben auf die Weide stellen können, ohne dass sich die Herde nach 5 Jahren verdreifacht hat? Woher die hübschen jungen Pferde im Streichelzoo kommen, ahnen die Meisten von uns, aber wo bleiben sie, wenn die Saison vorbei ist?
Nun träumt vermutlich kein Fohlen davon, dass es einmal Lasagne werden will, wenn es groß ist, aber genau das passiert – und machen wir uns nichts vor, das nicht erst seit ein paar Wochen. Es wird nicht mehr gebraucht und muss für ein jüngeres Platz machen. Ich weiß, das klingt ein wenig nach Werbe- oder Modebranche. Solange wir das aber mitmachen und einfordern, dass der Urlaub auf dem Ponyhof einen bestimmten Pferdestandart erfüllen muss, wird sich auch daran nicht viel ändern, ausser dass demnächst ein paar Schlachtbetriebe entweder dicht machen oder effektiver (weniger Angestellte, die weniger verdienen, aber dafür schneller) arbeiten müssen, weil Pferd gerade nicht so gut geht.

Zum Weiterlesen

Der letzte Weg

Den letzten Weg, den ich gehe, werde ich wieder alleine gehen,

aber dort, wo ich ankomme, werde ich nicht einsam sein.

Nein, ich werde wieder mit denen vereint sein, die ich hier so  sehr vermisse, mit meinen Brüdern und Schwestern.
Vor allem mit dem Einen, der sein Leben für mich gab, damit ich lebe.

Ich werde endlich zu Hause sein.

Pause

Ich habe in den letzten Wochen immer mal wieder die Frage gestellt bekommen, warum ich nicht mehr regelmäßig blogge. Darum hier ein paar Sätze dazu: Ich schreibe im Augenblick (endlich!) an meiner MA-Arbeit, in der es um die Frage geht, wie Gemeinden im ländlichen Gebiet neu belebt werden können. Dabei lerne ich unglaublich viel. Es ist für mich sehr spannend noch einmal neu zu verstehen, wie Gemeinden ticken und warum Konzepte, die woanders wie eine Bombe einschlagen, schon ein Dorf weiter gar nichts bringen. Es fasziniert mich, System- und Organisationstheorien zu lesen, weil sie mir helfen, hier ganz neue Wege zu entdecken und mich von schnellen, pauschalen Antworten befreien. Das macht einfach nur Spaß,  ABER: das gehört nicht hier hin, sondern in die Arbeit. Darum schreibe ich hier so wenig. Ich hoffe. Ende des Jahres wird das wieder anders.

Orpheus, Christus und die Lyra

Darf ich ein wenig ausholen? Ein paar hundert Jahre? Es geht in die griechische Mytholgie. Orpheus ist verliebt. In Eurydike. Das Blöde an der Geschichte: Die Gute stirbt durch einen Schlangenbiss und muss in die Unterwelt. Orpheus ist aber richtig verliebt und entschließt sich zu einem Höllentripp, um seine Traumfrau zurück ins Leben zu holen oder um mit ihr zusammen für immer dort zu bleiben. Er packt seine Lyra ein und macht sich auf den Weg.

Als erstes begegnet er Zerberus, so einer Art antiker Türsteher, der darauf aufpasst, dass wirklich nur die Toten rein kommen. Wer schon mal morgens um 3 in Hamburg auf der Reeperbahn unterwegs war, weiß, was ich meine. Orpheus kommt rein, weil er wohl ziemlich gut Lyra spielen kann und damit den Muskelmann beeindruckt. Und auch Charon, der Typ, der die Toten über den Fluss setzt, ist von dem Geklampfe so beeindruckt, dass er ihn mitnimmt.

So jazzt sich der alte Grieche durch die Hölle und kommt schließlich bei Hardes und Persephone an, die über das Zentrum der Finsternis herrschen. Er erzählt ihnen von seiner Liebe zu Eurydike und rührt die Jungs damit zu Tränen. Schließlich geben sie ihr Okay, dass Orpheus seine Geliebte wieder mit einpacken kann. Na ja, nicht ganz. Sie muss die ganze Zeit hinter ihm herlaufen und er darf sich nicht nach ihr umsehen. Das geht einige Zeit gut, aber da Eurydike noch ein totes Schattenwesen ist und wie wir alle wissen, darum auch keinen Lärm macht, bekommt er Panik, ob sie überhaupt noch hinter ihm ist (was sie die ganze Zeit ist) und dreht sich nach  ihr um. Ende.

Bild 1

Das erste Bild zeigt Orpheus, mit phrygischer Mütze und der Lyra in der Hand. Das zweite Bild sieht fast genauso aus, zeigt aber nicht Orpheus. Wir sehen hier ein Christus-Bild aus Rom aus dem 2. Jhr. n. Chr..
Bild 2

Offensichtlich waren die ersten Christen davon überzeugt, dass die Orpheus-Geschichte ein gutes Bild dafür ist, was Jesus für uns getan hat. Er hat den Himmel verlassen und hat sich zu uns auf die Erde gemacht. Es gibt eine Textstelle im NT, die ziegt, dass er nach seiner Kreuzigung sogar noch einen Schritt weitergegangen ist, um auch den Menschen in der Hölle zu begegnen. Und auch die Liebe hat ihn angetrieben. Die Liebe zu uns und sein Wunsch, für immer mit uns zusammen zu sein.

Nach Ansicht von Clemens, einem Kirchenvater aus dem 2. Jahrhundert, ist auf dem Bild auch die Kirche zu sehen. Und zwar symbolisch als Lyra. Für mich ist das ein unglaublich schönes Bild.

Demnach  besteht der Auftrag der Kirche  darin, an den dunklen Orten eine Melodie zu spielen, die andere Menschen bewegt und verändert. Wir sollen nicht bloß problematisieren. Wir sollen nicht mit leeren Worthülsen, die keiner mehr hören kann und die trotzdem sooft und so brutal abgefeuert werden, Menschen zu Tode langweilen. Wir sollen die Melodie spielen, die Jesus auf uns spielt. Seine Botschaft, seine Liebe, sein Licht. Wir sollen Menschen mit unserer Melodie begeistern und anstecken.

Wir müssen Weihnachten nicht darüber reden, dass wir uns als Mitmenschen mehr im Blick behalten sollen und dass Krieg nicht gut ist. Das wissen wir alle. Wir können bei dem Kind in der Krippe bleiben und darüber reden, wie es die Welt verändert hat und verändern wird.

Und es geht nicht in erster Linie um uns. Christus ist die tragende Kraft, er ist derjenige, der rettet, wir begleiten ihn nur, wir werden von ihm nur getragen, dorthin, wo er sein will. Darum sollte auch immer das, was wie “spielen” auf ihn hinweisen.

Selbst wenn wir kaputt gingen, scheitert seine Rettungsaktion noch lange nicht. Wir sind nur ein Instrument. Er ist immer größer.